Sommer-Interviews

Diese Folge hat Jens als rasender Reporter übernommen. Er hat drei Interviews zum Thema "20 Jahre LSVD" geführt. Was hat sich in all den Jahren für uns Schwule getan? Wie sehen die persönlichen Erfahrungen mit Szene und Gesellschaft aus? Außerdem wagt er einen Ausblick in unsere Zukunft ...

Hier sind die Links zur Madame und zum LSVD.

Rubrik: Interviews

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Kommentare

  1. Der Doc aus FFM schrieb am

    Einige Gedanken

    Hier sind wir also die moderne schwule Generation. Viel Technologie, viele neue Möglichkeiten, Optionen, Chancen, aber auch neue Risiken und Gefahren und doch scheint etwas Essentielles in unserem schwulen Disney-Wunder-Land zu fehlen.

    Wo sind all unsere Visionen einer lokalen bzw. globalen Community hin? Gemeinsame Ziele? Sind wir wirklich als Schwule erwachsen geworden oder dämmern wir nur in einem pubertären, hedonistischen Zustand vor uns hin und begnügen uns mit unserer Bequemlichkeit? Ist das wirklich alles hier und jetzt?

    Ist es nur noch Sexualität und die Kommunikation davon bzw. die sexuelle Orientierung, die uns verbindet um ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, oder könnte es nicht noch etwas anderes sein?

    Wenn man sich die Kommunikation um Sex genau anschaut könnte man auch fragen: Was wissen wir eigentlich von unseren Sexpartnern, real oder im Chat? Was für Menschen sind das? Wie und wo haben wir sie wirklich kennen gelernt? Welche eigentlichen Gefühle, Bedürfnisse und Lebensgeschichten stehen hinter dem Sex bzw. liegen im Bett? Und welche Funktion hat der Sex? Für welches Problem ist der welche Lösung? Ich könnte diese Fragen noch zahlreich erweitern...

    Und hier sind wir an einem wichtigen Punkt: Ich glaube, dass Aufmerksamkeit, im Sinne von Intimität und Wertschätzung, sowie Kommunikation wichtige Schlüssel sind um Gemeinschaft herzustellen. Um es mit den Worten des amerikanischen Psychologen Rollo May zu sagen:

    "Gemeinschaft kann definiert werden als eine Gruppe in der freier Dialog stattfinden kann. Gemeinschaft ist dort, wo ich meine allertiefsten Gedanken teilen kann, wo ich die Abgründe und Tiefen meiner Gefühle zeigen kann und weiß, dass sie verstanden werden."

    Leider trifft man an dieser Stelle aber auch an eine andere Schwierigkeit und das ist das man überhaupt eine Sprache und Worte findet, um überhaupt tiefste persönliche Bedeutungen zu kommunizieren.Wie sprachlos sind wir denn alle, wenn es um uns und unsere Gefühle, intimsten Gedanken und Wünsche geht?
    Aber Jan, Du und Deine Podcasts bilden einen wunderbaren Unterschied, der einen Unterschied macht.

    Es kann passieren, dass man in der Community oder auch außerhalb durch sein Anderssein, seine Individualität und die Artikulation dessen abgelehnt wird und somit verletztlich und angreifbar zu wird. Vertrauen braucht tatsächlich Zeit und eine ständige Aufmerksamkeit. Eine Gefahr, der man sich selten aussetzt, weil man dann das Pokerface oder die Maske eines ziemlich karikierten Bildes von Männlichkeit (Ja, wir Schwule können manchmal heterosexueller sein als jeder Hetero) aufsetzt. Aber könnte im Schlechten nicht auch etwas Gutes liegen und umgekehrt? Kann man nicht manche nervige Eigenschaft des Gegenübers auch stehen lassen, statt sie gnadenlos verändern oder ignorieren zu wollen und sie sich mit der Zeit langsam verändern lassen. Jeder Mensch ist gut so wie er ist, auch wenn manches Verhalten fremd, abstoßend bis erschreckend ist
    Warum wagen wir es nicht gemeinsam aufzubrechen, die Hand zu reichen und wieder miteinander über das zu sprechen, was uns bewegt? Vielleicht sagen wir auch nichts, vielleicht nicht das Gewöhnliche, vielleicht etwas anderes. Auf jeden Fall sollten wir wieder anfangen uns neue Geschichten über uns und unser Leben auszudenken, neue Ideen und Zukünfte zu erfinden und alternative Geschichten zu schwuler Lust und Liebe zu erzählen, denn nur hinter dem Horizont geht es weiter....

    Und ja..Vielleicht gehört auch eine neue, andere, nicht-kommerzielle Internetplattform dazu, aber auch Weblogs wie Deiner Jan, Videos, Kunst, Aktionen und Texte, usw. noch mancher Traum wartet auf Realisierung...

    In diesem Sinne: Wenn nicht jetzt, wann dann?

    Yours, Claus

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